Let’s ask the CEO – Sweet Magazin

Let’s ask the CEO

Editor: Marie Bund

Isabella Stadler, wie entstand die Idee zu Ihrem Fashionlabel BELLE IKAT? 

Da muss ich etwas ausholen: Ich bin in Armenien geboren und in Israel aufgewachsen. Nachdem ich mein Tourismusstudium in Deutschland absolviert hatte, reiste ich um die Welt und brachte zahlreiche Fundstücke von Märkten und Basaren mit nach Hause. Durch Zufall besuchte ich die internationale Tourismusmesse in der usbekischen Hauptstadt Taschkent und entdeckte dort erstmals die traditionellen Ikat-Stoffe. Was soll ich sagen, ich war direkt begeistert. Die Kultur dahinter, das Handwerk und die Menschen – all das hat mich fasziniert. Ich nahm einige dieser Stoffe mit nach Hause und konnte mich jahrelang nicht entscheiden, wie ich sie verwenden sollte. Eines Tages brachte ich den Stoff zu meiner Schneiderin und ließ mir daraus ein Kleid nähen. So konnte ich das besondere Flair Usbekistans mit den klassischen westlichen Modevorstellungen verbinden. 2018 habe ich dann BELLE IKAT gegründet. Für ein Fashionlabel braucht man einen langen Atem und muss eine klare Vision haben. Ich bin keine klassische Designerin, viel eher beschreibe ich mich als eine kreative Unternehmerin. 

Gibt es spannende Innovationen oder Neuheiten für das Frühjahr 2022? 

Es passieren täglich neue, spannende Dinge und wir müssen hinschauen, was am besten zu uns passt und welcher Weg der richtige für uns ist. Es gibt viel zu tun und wir freuen uns auf alles, was kommt. Was ich allerdings schon verraten darf: BELLE IKAT wird bald auch etwas Schönes für zu Hause anbieten…

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei BELLE IKAT? 

Extravaganz, hochwertige Stoffe und ausgefallenes Design gehen bei uns Hand in Hand mit sozialer Verantwortung für Mensch und Umwelt. Alle Materialien, die wir verwenden, sind reine Naturfasern: Leinen, Seide und Baumwolle. Sie sind frei von Chemie und werden von kleinen Manufakturen unter fairen Arbeitsbedingungen produziert. Unsere Modelle sind Unikate, größtenteils handgenäht, handbestickt und manchmal sogar mit kunstvoller Malerei handverziert. Diese aufwendige Herstellung kostet Zeit und kann nie in großen Stückzahlen erfolgen.

Wie würden Sie Ihre Kundin beschreiben?  

Unsere Kundin lebt in New York, Hongkong, Capri, Los Angeles oder Hawaii. Viele kommen natürlich auch aus Deutschland. Frauen, die sich trauen, Farben zu tragen, mutig, weltoffen, kreativ und reisefreudig sind. 

Können Sie uns nähere Einblicke in die Produktion geben? 

Unsere Ikat-Stoffe werden in Usbekistan im berühmten Ferghanatal, in der Stadt Marg’ilon hergestellt. Marg’ilon zählte schon im 9. Jahrhundert zu den wichtigsten Städten entlang der Seidenstraße und ist heute das Zentrum der usbekischen Seidenindustrie. Wir beziehen die Ikat-Stoffe von der größten traditionellen Seidenfabrik, der Yodgorlik Silk Factory. Für diese Manufaktur haben wir uns entschieden, weil dort der Frauenanteil mit rund 60 % besonders hoch ist. Sämtliche Produktionsschritte – vom Sortieren der Seidenraupenkokons über das Spinnen und Färben bis zum Weben der Stoffe – finden dort nach traditionellen Handwerkstechniken statt. Neben reiner Seide werden auch Seiden-Baumwoll-Gemische und Satinstoffe hergestellt. Die Ikat-Modelle werden anschließend in Mannheim in der Textilerei genäht. Unser Leinen stammt aus einem kleinen Familienbetrieb in Chmelnyzkyj, einer Industriestadt in der Ukraine mit rund 260.000 Einwohnern. Chmelnyzkyj ist bekannt für seinen großen Markt, einen der größten des Landes, auf dem man alles erhält, was man braucht – von Lebensmittel, Kleidung, Haushalts- oder Elektronikartikel. Etliche Einwohner verdienen dort ihren Lebensunterhalt. So auch Olga, die Inhaberin unserer Leinenproduktion. Olga ist für uns mehr als nur irgendeine Lieferantin. Wir stehen in ständigem Austausch und entwickeln gemeinsam mit ihr unsere Kollektionen. Und so ist auch Olga ein individueller Teil von BELLE IKAT geworden, worüber wir sehr glücklich sind.

Haben Sie eine Vision, wie BELLE IKAT die Welt besser machen kann? 

Meine hoffnungsvolle Vision: Wir als Frauen und Mütter wollen unseren Kindern mit den Projekten von BELLE IKAT ein Vorbild sein. Wir wollen ihnen zeigen, dass Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit eine Frage der persönlichen Haltung und keine kurzlebige Luftblase sind. Außerdem sollten wir alle weniger und bewusster einkaufen und mehr auf Qualität, Herkunft und Arbeitsbedingungen achten. Als nachhaltige Marke kämpfen wir für neue Gesetze, mehr Transparenz, mehr Kontrolle in der Produktion. Aber auch für bewussten Konsum!

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